Heute Abend war ich zur „Scheidungsfeier“ einer Freundin eingeladen, meiner Alibifreundin, falls sich jemand erinnert. Als die Einladung kam, drängte ich es weg. Eine Scheidung. Feiert man das? Natürlich weiß ich um die Ehe, natürlich weiß ich als Freundin, dass er nicht viel taugte. Lange fragte ich mich (und manchmal sie), wie sie das aushalte. Kinder, Studium, Arbeit und einen Taugewenig. Aber dann kam dieser andere Mann, und alles schien plötzlich wunderbar. Neue Liebe, neue Wohnung, neue Zukunft. Die Scheidung zog sich Ewigkeiten hin. Aber feiern? Als Unverheiratete kann ich da schlecht mitreden. Eine Scheidung besiegelt eine Trennung. Dass Kinder im Spiel sind, macht die Sache nicht fröhlicher, finde ich.
Heute habe ich ihr abgesagt. Gar nicht wegen meiner, möglicherweise anachronistischen, Irritation. Auch nicht, weil das kleine, lustige Mädchen eine leichte Magen-Darm-Verstimmung hat und etwas jammerich rumläuft.
Ich bin nicht salonfähig. Mein Loch im Kopf blutet immer noch und ich musste heute beinahe stündlich das Pflaster wechseln. Und jeder, wirklich jeder, dem ich über den Weg lief oder der in mein Büro tappelte, stellte die gleiche dumme Frage. Eine Auswahl meiner Antworten: Berlin halt, bin U-Bahn gefahren, Veilchen vom Freund, Sport übertrieben, Laterne im Weg, Fett abgesaugt, bla bla. Selbst mit einem (Kopf)Tuch könnte ich das Pflaster nicht verdecken. Die kosmetischen Folgen hatte ich vorher völlig unterschätzt bzw. gar keinen Gedanken dran verschwendet.

Ich freue mich auf Montag, auf den Termin mit dem Vorstand. Könnte mir noch eine Augenklappe besorgen. Das macht ein Kostüm dann wirklich obsolet. Charmanter Gedanke.

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