Ein Kurzer nur.

Im Mutter-Kind-Kurheim. Fernsehen ist verpönt, für Kinder sogar verboten. Das ist löblich.
Drum steht die Glotze in einem kleinen Kellerraum, unattraktiv, ungemütlich, nicht sehr einladend. Nun ist aber Fußball-EM und die Mehrzahl der Mütter will sich die Deutschlandspiele nicht entgehen lassen.

Also: Kleiner Raum, winziger Fernseher, viele Mütter. Wir Frauen kauern auf allen verfügbaren Sitzgelegenheiten und lagern auf dem Fußboden. An der Tür stehen etliche Babyphone und blinken. 20:45 Uhr, Deutschland spielt – und es spielt gähnend langweilig. Um mich herum palavern schwäbelnde … Hausfrauen. Wenn ich nicht die Ohren spitze, verstehe ich kaum ein Wort. Macht nüscht. Aber nett ist es. Eine stellte Kirschen in die Runde. Die nächste kochte Tee. Die übernächste holte Tassen für alle. Wieder eine andere brachte Halstabletten für eine hustende Mutter. Wirklich Fußball guckt hier keine. Es wird lebhaft g’schwetzet. „Also zu Hausch ess ih meine Ärdbäärä andosch.“ Rezepte werden ausgetauscht. Gärtnertipps verteilt. Ein Klagelied auf die Ehemänner eingestimmt (die selbstverständlich zu Hause viel zu wenig tun – aber das sind die harmloseren Geschichten). Zwischendurch piept immer mal ein Babyphone. Wie von der Tarantel gestochen flitzt eine Mutter aufs Zimmer. Jedes Mal Fehlalarm. „Guggscht die Frau doo“, zeigt eine aufs Fernsehen, wo gerade eine Blondinen-Zuschauerin groß im Bild ist, „schaut aus wie ä Bannie, mer scheuselt dich de so on… un jetsch winkt se och noch… und schaust des Kind do, des müsst doch in de Schule gehe…“ Eine Tasse fällt runter, fünf Muttis springen nach Lappen und Tüchern und überschlagen sich bei der Reinigungsaktion.
„Ach guggscht, der Schweini, den kenn ih!“ Nebenbei fällt hin und wieder ein Tor. Wir Muttis sind begeischtert.

Jeder Mann hätte längst verzweifelt das Weite gesucht. Oder still geweint. Wer hier Fußball schauen will, hat richtig schlechte Karten. Manche Mütter gehen kurz vor dem Abpfiff. „Langweilig.“
Mit Teechen stoßen wir auf den Sieg an, dann wünschen sich alle eine gute Nacht. „Guats Nächtle“ oder so.

Bis früh um fünf („Fünf in der Früh“) legt sich Stille über das Haus. Dann schreit das erste Gör.

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