Der Freund des kleinen Mädchens heißt Amadeus. Amadeus ist nicht nur ein Strohfeuer, die beiden kennen sich seit einem Jahr, seit Beginn des Kindergartens. Da waren sie zwei. Uns Eltern passt das gut, weil wir uns herzlich verbunden sind und hin und wieder nachmittags besuchen. Seit einem halben Jahr nehmen wir in Abständen das jeweils andere Kind auch alleine mit. Die Freude ist schon Tage vorher groß, wenn Amadeus zu uns oder das kleine Mädchen mit zu ihm gehen darf.

Gestern nun durfte Amadeus wieder zu uns. Der große Sohn (hach) holte die Zwerge vom Kindergarten ab.
Dann habe ich das Pärchen einmal genauer beobachtet: Das kleine Mädchen quasselt ohne Punkt und Komma. Wenn sie nicht quasselt, erteilt sie Kommandos: Amadeus, sing dies oder jenes! Sag mal das! Ich bin jetzt die Mama und du das Baby! Gib das mal her!…
Amadeus sagt dazu nicht viel. Er ist überhaupt ein schweigsamer Bürger. Weil meist keine Antwort kommt, quatscht das kleine Mädchen einfach weiter. Ihre Kommandos kennen allerdings keinen Widerspruch. Der kleine Amadeus, ein selten süßer Knopf, tat mir beinah leid. Ihren Kommandoton kennen wir nur zu gut, und ich werde nicht selten sehr deutlich in meiner Reaktion. Oft endet das in Tränen.
Amadeus ist schlauer. Er sitzt die Kommandos einfach aus. Er spielt still weiter mit der Eisenbahn. Wenn es ihm zu bunt wird und das kleine Mädchen nach der fünften Aufforderung schon fast handgreiflich wird, sagt er stoisch: „Nee, geht gerade nicht.“ Oder: „Ich hab keine Zeit.“ Meistens jedoch gibt er nach. Er singt das Gewünschte. Oder sagt den sinnfreien Satz, den das kleine Mädchen ihm abverlangt. Das tut er in einer winzigen Sequenz, und wendet sich wieder seinem Spiel zu.
Das kleine Mädchen ist zufrieden, quatscht weiter und erteilt bald den nächsten Auftrag.

Mir ist jetzt völlig klar, warum die sich so mögen.

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